News, 13. Oktober 2015

Cañete: Zwei-Grad-Ziel wird verfehlt

Die Selbstverpflichtungen der Mehrzahl der Staaten liegen auf dem Tisch – jetzt wird bewertet. EU-Klimakommissar Miguel Arias Cañete fordert von der EU mehr Einsatz und die Festschreibung einer regelmäßigen Überprüfung der Klimaziele.

Von Anna Skowron

Die staatlichen Klimaziele reichen nicht aus, um die Erderwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts auf zwei Grad zu begrenzen. Das erklärte der EU-Kommissar für Klimaschutz und Energie, Miguel Arias Cañete, am Montag beim Klimagipfel in der marokkanischen Hauptstadt Rabat. Vielmehr befinde man sich zurzeit auf einem Drei-Grad-Pfad, sagte Arias Cañete – nicht genug, um das Klimasystem halbwegs stabil zu halten. Die Konferenz in Rabat analysierte und bewertete die bisher eingereichten nationalen Klimaziele, die sogenannten INDCs, von 149 Ländern. Zusammengerechnet seien sie für 90 Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich.

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EU-Klimakommissar Arias Cañete auf der Klimakonferenz in Marokko. (Foto: Houbais Mustapha/EU)

Dass sich so viele Länder verpflichtet haben, ihre Emissionen zu senken, sei bemerkenswert, aber nicht genug, sagte Arias Cañete. Er forderte mehr Einsatz, auch von der EU. Diese habe mögliche Finanzierungsmechanismen noch nicht ausgereizt und müsse die Länder des globalen Südens stärker unterstützen. Auch die angestrebte erste Neubewertung der Ziele im Jahr 2025 müsse festgeschrieben werden. Die Klimakonferenz könne und dürfe nicht das Ziel sein und sollte eher als eine weitere Station auf dem Weg zum Klimaschutz betrachtet werden, so der EU-Kommissar.

Ein neues, nachhaltiges Entwicklungsmodell für den globalen Süden forderte in Rabat die marokkanische Umweltministerin Hakima El Haite. Entwicklungsländer sollten Zugang zu besseren Technologien bekommen, um die Chance für eine nachhaltige Entwicklung zu haben. Nächste Woche soll bei der UN-Vorbereitungskonferenz in Bonn ein neuer Vertragsentwurf besprochen werden. El Haite hofft, dass viele der heutigen Forderungen schon einbezogen werden.

Edenhofer: Zwei-Grad-Ziel mit Kohle nicht machbar

Auch der Ko-Vorsitzende der Arbeitsgruppe III des Weltklimarats IPCC, Ottmar Edenhofer, teilt die Ansicht, dass die nationalen Selbstverpflichtungen nicht ausreichen. Vor allem die weitere Nutzung der Kohle würde das Zwei-Grad-Ziel unerreichbar machen, kritisierte Edenhofer gegenüber dem Handelsblatt. Die freiwilligen Verpflichtungen gingen kaum über das hinaus, was die Länder ohnehin schon an Klimaschutz leisten würden.

Bereits zuvor hatten Klimaanalytiker des Climate Interactive Institute in Washington die INDCs von 72 Ländern bewertet. Sie kamen zu einem ähnlichen Schluss: Die Welt befindet sich auf einem 3,5-Grad-Pfad. Ohne jeglichen Klimaschutz würde der Temperaturanstieg bei 4,5 Grad liegen. Die Wissenschaftler vom europäischen Climate Action Tracker prognostizierten 2,7 Grad mehr.

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Auch die EU sollte in Sachen Klimaschutz noch nachlegen, fordert Kommissar Miguel Arias Cañete. (Foto: Houbais Mustapha/EU)

Im Dezember soll auf der Klimakonferenz in Paris ein neuer Klimavertrag abgeschlossen werden. Das Ziel dabei ist, die globale Erwärmung auf maximal zwei Grad zu begrenzen. Eine stärkere Erwärmung hätte fatale Folgen für das Leben auf der Erde.

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