News, 23. November 2015

"Frauen und Behinderte": Genderverband schlägt Alarm

Das internationale Frauennetzwerk "Gender CC – Women for Climate Justice" kritisiert die Formulierungen zu den Bedürfnissen von Frauen im neuen Klimaabkommen. Ausgerechnet die gelten unter Klimadiplomaten als unstrittig.

Von Nick Reimer

In einer Woche geht es los: Am letzten Montag im November beginnt die 21. Vertragsstaaten­konferenz zur UN-Klimarahmenkonvention – die sogenannte COP 21. Noch gibt es mehr als 1.500 Klammern im vorbereiteten Vertragstext – das bedeutet, dass die Klimadiplomaten noch über 1.500 verschiedene Optionen entscheiden müssen, die strittig sind. Nicht strittig ist dagegen ein Satz in der Präambel, der dem vorletzten Jahrhundert zu entstammen scheint. Das internationale Frauennetzwerk Gender CC – Women for Climate Justice kritisiert die Formulierung, nach der im neuen Klimaabkommen die Bedürfnisse von "Frauen, Kindern und Personen mit Behinderungen" berücksichtigt werden sollen.

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Besonders in Afrika ist es Aufgabe der Frauen, für etwas zum Trinken zu sorgen. Das fällt wegen zunehmender Dürren immer schwerer. (Foto: Reimer)

Gender CC hat nachgeforscht, wie es im 21. Jahrhundert zu einer derartigen Formulierung kommen kann, und kommt zu dem Schluss: Frauen haben bei den Klima-Verhandlungen zu wenig zu sagen. Zwar stehe Christiana Figueres dem UN-Klimasekretariat vor, bei der Klimakonferenz letztes Jahr in Lima hätten die Frauen aber nur ein Viertel der Delegierten ausgemacht.

Die Journalistin Hanna Gersmann weist in der Tageszeitung taz auf die im Durchschnitt klimafreundlichere Lebensweise von Frauen hin: "Frauen essen weniger Fleisch als Männer. Sie fliegen seltener auf Dienstreisen. Sie fahren weniger Auto und seltener protzige Autos." Frauen würden weniger zu den Treibhausgasen beitragen, deren Folgen aber stärker spüren, schreibt Gersmann. So sterben bei Naturkatastrophen wesentlich mehr Frauen als Männer. Ihre Arbeit wird schwerer, wenn etwa durch Dürren die Wege zum Wasserholen länger werden. Auch in Deutschland ist das spürbar: "Lässt die Ökostromumlage die Energiepreise steigen, trifft das die ärmeren Haushalte, und dies sind überproportional Frauen", sagt Gotelind Alber von Women for Climate Justice.

Der neue Weltklimavertrag müsse deshalb "die Basis bilden für die Durchsetzung geschlechtergerechter Klimapolitik", fordert Kate Cahoon, Politikwissenschaftlerin und eine der Koordinatorinnen der "Women for Climate Justice". Es scheint so, als ob die KlimadiplomatInnen sich die Materie bisher zu "männlich" gemacht haben.

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